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Kolumne BKZ und Murrhardter Zeitung vom 24.06.2011
Sommermärchen 2.0
Erinnern Sie sich noch an den Sommer 2006? An traumhafte Tore, tolle Stimmung in und um die Stadien in ganz Deutschland, an das Public Viewing in der Stadt? Auch wenn es am Ende für Schweinsteiger, Lahm und Co. nicht ganz gereicht hat und Stuttgart beim Spiel um Platz 3 doch viel schöner war als Berlin, so denken wir auch heute noch mit großer Freude an dieses Sommermärchen zurück. Fünf Jahre später ist die Welt erneut zu Gast bei Freunden. Statt Ronaldinho, Klose und Zidane heißen die Stars nun Marta, Prinz und Baijramaj und nach den Männern werden uns nun die Damen mit tollem Fußball begeistern. Zwar hat sich der Frauenfußball noch nicht in gleichem Maße zum weltweiten Massenphänomen entwickelt wie sein männliches Pendant, doch wird diese WM in Deutschland ihm einen weiteren Schub geben. Verdient hätten es die Damen allemal. Denn wenn die Deutsche Elf am Sonntag in Berlin gegen Kanada in die WM startet, strebt sie ein Ziel an, das noch keine Mannschaft zuvor erreicht hat: den dritten Weltmeistertitel in Folge. Schon die Titelverteidigung vor vier Jahren in China war ein historischer Sieg, mit dem Hattrick könnten unsere Fußballerinnen ein weiteres Stück Sportgeschichte schreiben. Auch dieser Weg wird angesichts der Konkurrenz aus Brasilien und den USA kein leichter sein, doch unsere Nationalelf hat allemal das Zeug dazu, vor heimischem Publikum die Mission erneute Titelverteidigung zu schaffen. Wer die Arbeit von Trainerin Silvia Neid und Spielführerin Birgit Prinz verfolgt, hat keinen Zweifel daran, dass Frauen in Führungspostionen eine Selbstverständlichkeit sein sollten. Dennoch sieht die Realität in Deutschland anders aus. Deshalb ist es jetzt - im 100. Jahr des internationalen Frauentags - an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen: die tatsächliche Durchsetzung der Gleichstellung im Erwerbsleben. Denn wir werden Zeuginnen und Zeugen eines Bewusstseinswandels. Immer mehr Frauen und Männer fordern verbindliche gesetzliche Regelungen für die Arbeitswelt. Stellvertretend für viele bekannte etwa die Tagesthemen-Moderatorin Caren Miosga kürzlich im SPIEGEL:„Ich war früher gegen die Quote, aber das Leben macht einen ja klüger". Für sie steht nun fest: Mit freiwilligen Maßnahmen können wir das Ziel nicht erreichen. Wir brauchen jetzt verbindliche und gesetzliche Regelungen. Leider ist die schwarz-gelbe Bundesregierung alles andere als weltmeisterlich und blockiert anstatt den Weg für echten Fortschritt freit zu machen. Die SPD ist da deutlich weiter. Wir wissen, dass Frauen gute Arbeit brauchen, dazu gehören ein gesetzlicher Mindestlohn und soziale Sicherheit. Für uns steht fest, dass es am Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit" nichts zu rütteln gibt. Wir wollen, dass Frauen auch oben ankommen können und ihr Aufstieg nicht an gläsernen Decken endet. Deshalb fordern wir eine verbindliche Quote von 40% für Aufsichtsräte und Vorstände. Zum Vergleich: Im Moment beträgt der Anteil der Frauen in den Vorständen der 160 börsennotierten Unternehmen beschämende 3,1 %. Und wir wollen dafür sorgen, dass Familie und Beruf miteinander vereinbar sind - für Mann und Frau. Denn Gleichberechtigung endet nicht auf dem Fußballplatz. Doch sie darf gern auf dem grünen Rasen einen weiteren Sprung nach vorne machen. Die Mannschaft von Silvia Neid macht es jedenfalls vor: Der Fußball ist längst keine reine Männerdomäne mehr. Auch das sollten wir bei allem Jubel über dieses neue Sommermärchen nicht vergessen: Es gibt noch viel zu tun in Sachen Gleichberechtigung - packen wir es an.