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ÜBERSICHT

Kolumne BKZ und Murrhardter Zeitung vom 21.01.2011

Die Sache mit dem C  

Wenn die US-Amerikaner ethische, praktische oder politische Themen diskutieren, stellen sie  sich oft die Frage, „was würde Jesus tun?" Würde er wirklich diesen spritschluckenden Geländewagen fahren? Würde er wirklich Waffenbesitz befürworten? Würde er es wirklich gutheißen, den Irak mit Waffengewalt zu demokratisieren? Sie werden sagen, Deutschland ist nicht Amerika. Und sie haben natürlich recht. Doch auch bei uns spielen christliche Werte eine wichtige Rolle. Wohl auch deshalb haben viele Christinnen und Christen ihre politische Heimat in der SPD gefunden. So ist der der Anteil an Kirchenmitgliedern  unter Sozialdemokraten höher als in der Gesamtgesellschaft, wie eine aktuelle Erhebung kürzlich feststellte. Und das ist kein Zufall. Gemeinsam stehen wir verlässlich an der Seite der Benachteiligten in unserem Land. Gemeinsam  treten wir für soziale Gerechtigkeit und Solidarität in unserer Gesellschaft  ein. Und gemeinsam kämpfen wir dafür, dass sich  nachhaltiges Wachstum nicht nur auf die Boni der Banker in diesem Land bezieht. Die Menschen wissen, dass wir mit ihnen Seite an Seite in die Gesellschaft hinein wirken. Für Solidarität in Baden-Württemberg. Für Gerechtigkeit in Deutschland. Und für Frieden in der Welt. Nicht weil es taktisch opportun ist, sondern aus Überzeugung. Deshalb findet sich im Hamburger Grundsatzprogramm der SPD ein klares Bekenntnis zum jüdisch-christlichen und humanistischen Erbe Europas und zur Toleranz in Fragen des Glaubens. Und deshalb betonen wir, dass das Wirken der Kirchen, der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften durch nichts zu ersetzen ist. Gerade weil sie in vielen Bereichen unserer Gesellschaft  zur Verantwortung für die Mitmenschen und das Gemeinwohl ermutigen und jene Tugenden und Werte vermitteln, von denen die Demokratie lebt. Auch im Regierungsprogramm der SPD Baden-Württemberg, das wir morgen auf unserem Landesparteitag in Stuttgart beschließen werden, bekräftigen wir diesen Anspruch. Sicher, nicht alle Sozialdemokraten sind Christen. Die Menschen engagieren sich in unserer Partei mit den unterschiedlichsten persönlichen Hintergründen. Doch für viele ist die christliche Nächstenliebe ein entscheidender Antrieb, sich für eine gerechte Gesellschaft einzusetzen. So auch für unsere Generalsekretärin Andrea Nahles. Viele haben sie im vergangenen Jahr bei einer Veranstaltung von mir im Backnanger Feuerwehrgerätehaus erlebt und bei dieser Gelegenheit auch gehört, wie sehr ihr Glaube ihr politisches Engagement prägt. Ihre Aussage aus einem Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verdeutlich das: „Und ich bin überzeugt: Christsein kann nie folgenlos bleiben, nicht privat und nicht politisch. Ich wäre nie in der SPD gelandet, wenn ich nicht zuvor eine christliche Prägung erfahren hätte. Ich habe mich in der SPD eher in der Gefolgschaft von Jesus Christus wiedergefunden, und zwar wegen dem Parteiprogramm und dem, was die SPD verkörpert. Christsein ist nicht das Ritual, sonntags in die Kirche zu gehen." Sicher, nicht alle Christen sind Sozialdemokraten. Es gibt nicht die eine Partei, in der sich alle Christinnen und Christen zu Hause fühlen. Und das ist auch gut so. Denn Toleranz und Nächstenliebe vertragen sich nicht mit Alleinvertretungsansprüchen. Doch eines ist sicher. Wer sich für christliche Werte einsetzen möchte, ist in der SPD bestens aufgehoben. Sie alle sind herzlich willkommen, sich aus ihrem Blickwinkel heraus an der innerparteilichen Diskussion zu beteiligen und all jene Fragen aufzuwerfen, die im Trubel des Politikalltags oft in Vergessenheit geraten.