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Kolumne BKZ und Murrhardter Zeitung vom 04.06.2010

Deutschland ein Sommermärchen?  

Elf Freunde müsst ihr sein. Spätestens seit Sepp Herberger weiß jedes Kind, dass es auf das Mannschaftsspiel ankommt. Wir können uns also glücklich schätzen, dass unsere Bundesregierung uns nicht bei der Fußball Weltmeisterschaft in Südafrika vertritt, denn mit so einem zerstrittenen Haufen wäre nach der Vorrunde direkt Schluss. Zwar kann auch die Dauerkrise von Schwarz- Gelb die Vorfreude auf die WM nicht schmälern, doch kann es niemanden in Deutschland unberührt lassen, wenn die Staatsführung Stück für Stück auseinanderbricht. Nach Roland Koch  hat nun also Bundespräsident Horst Köhler seine Aufgabe hingeworfen. Und bei allem Respekt, etwa vor dem Engagement Köhlers für Afrika, teile ich die Auffassung fast aller Kommentatoren, dass wohl noch nie jemand dem Amt des Bundespräsidenten so großen Schaden zugefügt hat, wie es Horst Köhler am Montag dieser Woche tat. Denn Köhler hat sich nicht aus gesundheitlichen oder familiären Gründen stilvoll zurückgezogen, er hat das höchste Amt im Staate beleidigt weggeworfen. Man stelle sich nur einmal vor, Michael Ballack hätte nicht aus Verletzungsgründen die Weltmeisterschaft abgesagt, sondern weil er nach einem schlechten Spiel mit den anschließenden Kritiken nicht umgehen konnte. So dünnhäutig darf  man als Mannschaftskapitän nicht sein und als Bundespräsident erst recht nicht. So  zog sich etwa Bundespräsident Johannes Rau auch nach schlimmsten Anfeindungen durch CDU- Politiker nicht in den Schmollwinkel zurück und wusste zwischen Kritik an seiner Person und Angriffen auf die Würde seines Amtes genau zu unterscheiden. Horst Köhler konnte dies zuletzt nicht mehr und lässt Deutschland nun in schwerer Stunde im Stich, anstatt sich der berechtigten, wenn auch teils überzogenen, Kritik an seinen Äußerungen zu stellen, wie es  demokratische Tugend ist. Der Abgang Köhlers ist der Schlusspunkt eines schwarz- gelben Abenteuers. Denn mit der Personalie Köhler begann 2004 in Guido Westerwelles Wohnung das schwarz- gelbe Projekt, sein Rückzug verdeutlicht nun, dass die neoliberale Ideologie dieser Koalition an der Wirklichkeit gescheitert ist. Ob diese Chaoskoalition sich nun noch bis ins Jahr 2013 schleppt oder ebenfalls vorzeitig den Hut nimmt, ist offen. Doch bereits am Sonntag steht Schwarz- Gelb die nächste Zerreißprobe bevor, wenn auf einer Kabinettsklausur Sparmaßnahmen beraten werden sollen. Ein Posten steht schon fest, Schwarz- Gelb spart an der der Harmonie. Jeder gegen Jeden, scheint das Motto zu sein. Wäre man ehrlich zueinander, müssten die Partner sich gegenseitig ihre Lebenslügen beichten. Allen voran müsste Guido Westerwelle eingestehen, dass er elf Jahre in der Opposition Unsinn erzählt hat, seine Partei programmatisch entkernt hat und nun eigentlich politischen Konkurs anmelden muss. So scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis diese Regierung als großer Irrtum in die bundesdeutsche Geschichte eingeht. Man fühlt sich in die Tage der Rumpelfußballer, Anfang dieses Jahrzehnts, zurück versetzt, als Deutschland schon beim Gedanken an seine Nationalmannschaft zusammenzuckte. Auch damals musste man erst die Führungsmannschaft austauschen und von vorn beginnen, bevor sich die Erfolge einstellten. Ein „weiter so" kann es jedenfalls nicht geben. Wenn wir auf ein Sommermärchen hoffen, müssen wir uns also unserer Fußballnationalmannschaft zuwenden und ich habe zu Jogi Löw deutlich mehr vertrauen, dass er die vielen Ausfälle in seinem Kader kompensieren kann, als diese Bundesregierung. Immerhin ziehen beim Fußball alle an einem Strang, um den Traum vom  vierten Weltmeistertitel Wirklichkeit werden zu lassen. Ich drücke jedenfalls fest die Daumen!