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Kolumne BKZ am 20.06.2008
Kinder brauchen gleiche Lebenschancen
Liebe Leserin, lieber Leser,
wir machen es uns oft nicht bewusst, doch es ist die Wahrheit: Deutschland ist eines der reichsten Länder der Erde. Noch nie war unser Wohlstand so groß wie heute.
Umso weniger dürfen wir hinnehmen, dass die Chancen von Kindern auf Bildung, gesunde Entwicklung, Teilhabe und Selbstbestimmung immer noch stark, ja so stark wie sonst in kaum einem entwickelten Land der Welt, von ihrer sozialen Herkunft abhängen. Zwar hat in unserem Land die große Mehrzahl der Kinder sehr gute Entwicklungsbedingungen,doch hat uns nicht zuletzt der Entwurf zum Dritten Armuts- und Reichtumsbericht gezeigt, dass Kinderarmut auch hier in Deutschland Wirklichkeit ist.
Dass können und das wollen wir Sozialdemokraten nicht einfach hinnehmen.
Doch Jammern und Klagen hilft niemandem.
Deshalb ist die Devise klar: Die SPD sagt mit ihrem Aktionsplan für gleiche Lebenschancen der Kinderarmut den Kampf an. Unser Ziel sind gleiche und gute Lebenschancen für alle Kinder. Dabei ist Armut mehr als der Mangel an Geld. Armut heißt auch mangelnde Teilhabe, der fehlende Zugang zu Bildung oder gesundheitlicher Entwicklung. Eins ist klar: Unser Sozialstaat wirkt. 34 Prozent aller Kinder wären ohne ihn armutsgefährdet.
Er senkt das Armutsrisiko bei Kindern um zwei Drittel auf 12 Prozent.
Doch Sozialtransfers allein helfen nicht.
Wir müssen vielmehr an den Ursachen ansetzen. Arme Kinder leben in armen Familien. Und Familien sind arm, weil die Eltern keine oder schlecht bezahlte Arbeit haben. Mit den rot- grünen Reformen am Arbeitsmarkt ist es uns gelungen, Menschen zurück ins Arbeitsleben zu bringen.
Wer davon spricht, dass die Armut das Ergebnis der Reformen sei, verdreht die Tatsachen. Ohne unsere Reformpolitik wären die Sozialsysteme explodiert, die Arbeitslosigkeit immer weiter gestiegen und wir hätten heute Probleme, die wir uns gar nicht vorstellen wollen. Diesen Weg gilt es weiter zu gehen. Denn gute Arbeit verhindert Armut. Die beste Prävention besteht darin, Eltern im Arbeitsleben zu integrieren, damit sie die Existenz Ihrer Familien eigenständig sichern können.
Aktivierung statt Almosen also.
Der SPD-Aktionsplan für gleiche Lebenschancen stellt folgerichtig 10 Maßnahmen in den Mittelpunkt seiner Bemühungen:
1. Die Kommunen bauen ihre Kinder- und Jugendeinrichtungen zu flächendeckenden Netzwerken aus, um benachteiligte Familien besonders zu unterstützen und zu fördern.
2. Allen Kindern in Schulen und Kitas soll ein gesundes Mittagessen geboten werden - zu sozialen Preisen, so dass alle teilnehmen können.
3. Kindertagesstätten sollen zu Eltern-Kind-Zentren ausgebaut werden, die vor allem sozial benachteiligte Eltern in die Förderung der Kinder einbeziehen.
4. Sozialdemokratisch regierte Länder werden die Ganztagsbetreuung konsequent weiter ausbauen und qualitativ verbessern.
5. Bildung muss weiterhin gebührenfrei bleiben - von der Kindertagesstätte bis zur Hochschule. Studiengebühren für das Erststudium lehnt die SPD daher ab.
6. Wir sind für gleiche Bildungschancen. Das bedeutet auch Lehrmittelfreiheit und eine zweite Chance für Schulabbrecher.
7. Jedes Kind muss der Gesellschaft gleich viel wert sein. Geringverdiener dürfen beim Kindergeld und den Kinderfreibeträgen nicht länger benachteiligt werden.
8. Bedürftige Kinder sollen ein Schulmittelbedarfspaket (Schulranzen, Schreibmaterialien) in Höhe von rund 100 Euro pro Schuljahr erhalten.
9. Kinderrechte gehören ins Grundgesetz.
10. Wir brauchen eine "Nationale Kinderkonferenz" der Bundesregierung noch in diesem Jahr, auf der alle wichtigen Akteure wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut vereinbaren.
Es ist Zeit zu handeln, die SPD packt an.
Ihr Christian Lange