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ÜBERSICHT

Kolumne BKZ vom 23.02.2007 

Rente mit 67: was ist in 22 Jahren?

Es ist in der Politik wie auch im Leben: viele der Sorgen, die wir mit uns herum tragen, sind nachvollziehbar, aber bei genauer Betrachtung doch aufklärbar.  So auch bei der Diskussion um die Anhebung des gesetzlichen Rentenantrittsalters auf 67 Jahre. So kommen nicht selten besorgte Bürger zwischen 55 und 63  auf mich und meine Kollegen zu und beklagen sich darüber, dass sie ab sofort erst mit 67 in Rente gehen könnten.  Doch das stimmt überhaupt nicht.  Denn wir erhöhen das Rentenalter keineswegs abrupt, sondern behutsam in Ein- bzw. Zweimonatsschritten. Für den Geburtsjahrgang 1947  also um einen Monat, für den Jahrgang 1958 um insgesamt 12 Monate und erst, wer wie ich, dem Geburtsjahrgang 1964 angehört kann sich drauf einstellen, mit 67 in Rente zu gehen. Die Betonung liegt jedoch darauf, dass jeder und jede einzelne sich schon heute auf eine Regelung einstellen kann, die im Jahr 2029 persönliche Realität wird. Meine Erfahrung ist, dass die Bürger das sofort verstehen. Man muss es nur erklären.  In Diskussionen höre ich zudem immer wieder den Einwand, dass es doch für ältere ohnehin keine  Jobs gäbe. Es ist richtig, hier haben wir im Jahr 2007 ein großes Problem. Wir sprechen jedoch vom Arbeitsmarkt 2029. Und genau so wie 1985 niemand vorhersehen konnte, dass die Mauer fallen und die Globalisierung Volkswirtschaften in ihren Grundfesten erschüttern würde, genau so wenig lässt sich heute vorhersagen, wie in 22 Jahren die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt aussehen wird. Eines ist jedoch sicher, wir arbeiten  mit der Initiative 50Plus bereits heute daran, auch Ältere in Beschäftigung zu bringen, doch in Zukunft werden die Unternehmen angesichts des demographischen Wandels und des damit absehbaren Fachkräftemangels gar nicht umhin kommen, die Erfahrung der Älteren zu nutzen. Doch viele wenden ein, all das sei ja schön und gut, viele könnten jedoch ihren Berufen wegen der gesundheitlichen Belastungen gar nicht bis 67 ausüben. Aber auch hier gilt es die enormen Fortschritte in der Humanisierung der Arbeitswelt innerhalb der letzten 20 Jahre zu sehen und davon auszugehen, dass diese Entwicklung noch lange nicht am Ende ist. Genau so wie bei Daimler heute Maschinen muskel- und rückenstrapazierende Arbeiten von einst  abnehmen, so wird auch in 20 Jahren die Arbeitswelt anders aussehen als heute. Und länger arbeiten ist auch nicht gleichbedeutend mit einer Rentenkürzung. Im Gegenteil ist die durchschnittliche Rentenbezugsdauer in den letzten 40 Jahren von 7 auf 17 Jahre gestiegen und der Trend hält weiter an. Viele Sorgen sind also nachvollziehbar, aber aufklärbar. Besonders freut mich, dass es uns gelungen ist eine Verschiebung des Stichtags für die Geltung des Vertrauensschutzes bei Altersteilzeit vom 29. November auf den 31. Dezember 2006 zu erreichen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die den Geburtsjahrgängen 1954 und älter angehören, genießen  Vertrauensschutz, wenn sie zum Stichtag verbindlich Altersteilzeit vereinbart haben.  Viele konnten sich daraufhin noch rechtzeitig für einen Altersteilzeitvertrag entscheiden Doch es gibt noch  weiteren Verbesserungsbedarf. Vor allem beim Thema eines abschlagfreien vorgezogenen Ruhestands für gesundheitlich angeschlagene Arbeitnehmer. Ein gesundheitlich bedingtes früheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben darf nicht mit unzumutbaren Abschlägen oder gar mit Altersarmut verknüpft sein. Wir brauchen deshalb einen   leichteren Zugang zur Erwerbsminderungsrente! Das ist eine handfeste Frage der sozialen Gerechtigkeit. Dafür wird sich die SPD und ich in den Koalitionsgesprächen einsetzten.

Ihr Christian Lange