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Pressemitteilung vom 23.11.2006
Lange: Jugendliche brauchen Anerkennung statt Videospiele
Angesichts des schrecklichen Vorfalles von Emsdetten warnt der SPD- Bundestagsabgeordnete Christian Lange vor den üblichen Reflexen und vorschnellen Erklärungsversuchen. Stattdessen sollte eine gesellschaftliche Diskussion darüber beginnen, wie jeder in seiner jeweiligen Rolle und Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen gerecht werden kann. "Die Politik sollte nicht so tun, als könne sie einen solch schrecklichen Vorfall wie in Emsdetten quasi per Gesetz verhindern. Sie kann nur einen punktuellen Beitrag dazu leisten, dass Kinder und Jugendliche vor negativen Einflüssen geschützt werden und mehr Anerkennung finden. Aber überall, wo es möglich ist, muss sie auch handeln und alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Täterkarrieren wie jene des Amokläufers von Emsdetten zu verhindern", so Lange.
Hier ist neben der Politik gerade das Elternhaus gefragt. Jedoch mangele es hier mancherorts an Zuwendung und teilweise auch an notwendigen Fähigkeiten. "Kinder brauchen positive Vorbilder und ein hohes Maß an elterlicher Aufmerksamkeit. Leider finden Kinder jedoch gerade in bildungsfernen Schichten immer weniger positive Anregungen im Elternhaus. Deshalb müssen sowohl die Elternkompetenzen gestärkt werden als auch den Schulen mehr Erziehungsaufgaben zugewiesen werden. ", so der SPD- Abgeordnete.
Im Bereich Schule trage die frühe Aufteilung der Schüler auf die jeweiligen Schulformen im dreigliedrigen Schulsystem jedoch bei vielen Kindern zu einem Gefühl der Ausgrenzung bei. Lange: " Auch das ist Teil des Problems: In keinem anderen Land werden die Schüler so früh in verschiedene Schulformen selektiert, wie in Deutschland. Statt anerkannt, fühlen sich viele schlicht und ergreifend aussortiert. Zudem muss auch die Lehrerausbildung völlig neu akzentuiert werden. Lehrer benötigen weitaus mehr Erziehungskompetenzen als bisher. Sie müssen lernen, Schülern mehr positive Anerkennung zukommen zu lassen. "
Dringend notwendig sei deshalb der Aufbau eines flächendeckenden Ganztagsschulsystems. Leider haben die Bundesländer das vor drei Jahren gestartete Vier-Milliarden-Programm des Bundes erst sehr halbherzig umgesetzt, so Lange. Viel zu viele Kinder, insbesondere Jungen, verbringen den gesamten Nachmittag mit Fernsehen, zweifelhaften Videos und Computerspielen. Von der populistischen Forderung, Gewaltvideospiele einfach zu verbieten, hält Lange dennoch nichts:
" Die Forderung, solche Spiele einfach zu verbieten ist blauäugig und geht im Zeitalter des Internets schlichtweg an der Realität vorbei. Hingegen sollte eingehend überprüft werden, ob sich die Einteilung von Computerspielen in Altersklassen bewährt hat. Zwar stellt diese Kategorisierung eine hilfreiche Richtschnur für Eltern dar. Die Kennzeichnung "ab 16" oder "ab 18" gilt unter vielen Jugendlichen allerdings gewissermaßen als "Qualitätssiegel". Alles andere wird als "Kinderkram" angesehen. Bei vielen Videospielen wäre es deshalb besser, sie als "jugendgefährdend" zu indizieren. Dann dürfen sie Jugendlichen nicht mehr zugänglich gemacht werden, und es gibt ein Werbeverbot. Damit wird ihre Verbreitung reduziert und die Entwicklung neuer Killerspiele für die Industrie uninteressant gemacht."