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Pressemitteilung vom 01.08.2006

Rente mit 67 – Es ist Zeit zu handeln

Das Thema  „Rente ab 67“ stand im Mittelpunkt eines Gesprächs von Gewerkschaftern mit dem SPD-Wahlkreisabgeordneten im Bundestag Christian Lange. Vertreter der Einzelgewerkschaften im DGB, Vertrauensleute und Betriebsräte diskutierten im Gmünder Gewerkschaftshaus mit dem Bundestagsabgeordneten über geplante Maßnahmen der Bundesgerierung und entsprechende Positionen der Gewerkschaften.

An der geplanten Erhöhung des Renteneintrittalters übten die Gewerkschafter heftige Kritik: „Was ist das für eine Politik, die vorgibt, dass wir bis 67 arbeiten sollen, wo doch schon viele um die 50 schon keine Stelle mehr finden?“, wurde der Bundestagsabgeordnete mit der Realität in den Betrieben konfrontiert.

Eine Umfrage unter Betriebsräten ergab, dass in fast der Hälfte aller Betriebe keine Arbeitnehmer über 50 Jahren mehr beschäftigt sind. Die Erhöhung des Renteneintrittsalters laufe aufgrund der Abschläge auf eine reine Rentenkürzung hinaus. Statt das gesetzliche Eintrittsalter auf 67 Jahre hoch zu setzen, sollte erst einmal das tatsächliche Rentenalter erhöht werden, das derzeit statistisch bei 60,2 Jahren liegt. Bundesweit sind etwa 1,3 Millionen Menschen über 50 arbeitslos. 40 Prozent der über 55-Jährigen haben keinen Job. In Ostwürttembergs sind dies zurzeit fast 4000 Menschen.

Wichtig sei es die Beschäftigungschancen für Ältere zu verbessern. Die Gewerkschaften schlagen eine ganze Reihe von Möglichkeiten vor, die dazu beitragen können ältere Menschen länger im Betrieb zu beschäftigen: Gesundheitsprävention, Fortbildung, Teilzeitarbeit seien hierzu geeignete Maßnahmen und auch die Ausweitung tariflicher Regelungen zu Lebensarbeitszeitkonten.

Diese immer wieder aufkommende Kritik kann Lange so nicht stehen lassen. Er machte noch einmal deutlich, dass erst in 6 Jahren, im Jahre 2012, mit der neuen Regelung begonnen wird. Schrittweise! Die volle Anhebung auf 67 Jahre komme erst im Jahr 2029 zum Tragen.  Lange: „Fakt ist, dass bei fortlaufend steigender Lebenserwartung die Lebensarbeitszeit nicht stagnieren kann und die Einführung der Rente mit 67 mit der jetzigen Arbeitsmarktsituation nicht vermischt werden darf.“

Die Debatte, wie sie die Gewerkschafter auch  in dieser Runde führten, geht für Lange am Kern des Problems meilenweit vorbei. Lange: „Es wundert mich immer wieder, dass die heutigen Besitzstände verteidigt werden, aber keine bohrenden Fragen derer zu hören sind, die heute das  System tragen – und morgen eine Rente beziehen werden, die mit jener von heute nicht einmal ansatzweise zu vergleichen sein wird." Lange rechnet vor: Wenn ein 1968 geborener Arbeitnehmer in 29 Jahren, also im Jahr 2035, mit 67 Jahren seinen Ruhestand antritt, wird das Nettorentenniveau angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland maximal 52 Prozent - derzeit 67 Prozent – betragen, bei vollen 45 Beitrittsjahren. 

„Welche Handlungsoptionen hat denn die Politik“, stellte Lange die Frage und zählte auf: „Die Jüngeren noch stärker belasten? Das scheidet aus, weil die Belastung bereits heute zu hoch ist. Oder die Renten werden gekürzt, das traut sich die Politik nicht. Oder die Lebensarbeitszeit wird verlängert, oder aber der staatliche Zuschuss zur Rentenkasse weiter erhöht, dafür ist kein Geld da.

Die Perspektive, im Jahr 2035 in Rente zu gehen und mit der zustehenden Altersvorsorge nicht einmal über die Runden zu kommen, geschweige denn den vorherigen Lebensstandard zu halten, ist erschreckend. Wer heute bereits „riestert“, wird dann zwar besser dastehen, vollends kompensieren kann jedoch auch die Riester-Rente die zu erwartenden Einbußen nicht. „Das ist die triste Wirklichkeit“, so Lange. „Mehr denn je muß ergänzend und betrieblich vorgesorgt werden. Gerade hier tun auch die Jungen noch viel zu wenig.“

„An einer höheren Verbindlichkeit für eine zusätzliche betriebliche und/oder private Altersvorsorge führt kein Weg vorbei, damit nicht am Ende die, die vorsorgen, jene, die ihr Geld verjubeln auffangen müssen“ fordert Christian Lange demgegenüber. In einem Solidarmodell, angelehnt an das Schweizer Modell, das in der staatlichen und in der zusätzlichen Altersvorsorge alle nach ihrem individuellen Leistungsvermögen einbezieht, könnte auch für Deutschland eine Chance liegen, der drohenden Altersarmut der geburtenstarken Sechziger und Siebziger-Jahrgänge Herr zu werden. Gerade  bei den betrieblichen Renten muss der Flexibilität von Arbeitnehmern Rechnung getragen werden. Das heißt, die Ansprüche dürfen möglichst gar nicht mehr verfallen, auch  bei häufigen Betriebswechseln. „Gleichermaßen wichtig erscheint eine Fortführung der Sozialversicherungsfreiheit für die betriebliche Altersvorsorge über das Jahr 2008 hinaus, um nicht das zarte aufkeimende Pflänzchen verstärkter betrieblicher Vorsorge gleich wieder totzutreten“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete. Und noch einem Punkt kommt besondere Bedeutung zu: Den Kreis der förderberechtigten Personen deutlich auszuweiten, etwa um Schüler und Studenten. Denn wer zu spät anfängt, kann nötige Sparraten gar nicht mehr leisten. 10 Jahre vor dem Ruhestand ist zu spät! Wer kann schon 1474 Euro monatlich zurücklegen, um über einen Zeitraum von 24 Jahren 1000 Euro zusätzlich zur Rente zu erzielen. „Es ist Zeit zu handeln“, fordert Lange. Seine Aufforderung geht an die Gewerkschafts-Jugend sich dieses Themas anzunehmen – in ihrem eigenen Interesse!