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Beitrag für die Backnanger Kreiszeitung vom 05.05.2006
Auch nach dem 1. Mai: Der Mensch steht im Mittelpunkt unseres Handelns!
Liebe Leserin, lieber Leser,
Fahrräder und Bollerwagen sind längst wieder in der Garage verstaut und dennoch bleibt der 1. Mai ein Tag, dessen Botschaft gerade uns Sozialdemokraten das ganze Jahr über begleitet: Die Würde des Menschen muss im Mittelpunkt aller Politik stehen. Und wer sich die bewegte und bewegende Geschichte der Ursprünge des 1. Mai vor Augen führt, sieht sofort, dass es bei diesem Feiertag um mehr geht, als einen zusätzlichen freien Tag. Feierten bereits die alten Römer im Mai die Floralien oder etwa die Kelten das Beltahnefest so entwickelte sich der 1. Mai gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu jenem weltweiten Aktionstag der Arbeiterbewegung, den wir heute kennen.
Wenig bekannt ist die Tatsache, dass dessen Ursprung in den USA liegt, wo die amerikanischen Gewerkschaften in ihrem Kampf um die allgemeine und verbindliche Durchsetzung einer täglich achtstündigen Arbeitszeit für den 1. Mai 1886 zu einem mehrtägigen Generalstreik aufriefen. Nicht der Termin, sondern die Forderung stand im Mittelpunkt und so fiel die Wahl lediglich deshalb auf den 1. Mai, weil dieser der Stichtag für den Abschluss oder die Aufhebung von Verträgen, häufig verbunden mit Arbeitsplatz- und Wohnungswechsel, war: Der Acht- Stunden-Tag sollte in die neuen Verträge aufgenommen werden. Es kam darauf zu Massenstreiks und Demonstrationen in den Industrieregionen. In Chicago endeten die Demonstrationen bei Auseinandersetzungen mit der Polizei für vier Arbeiter tödlich, 3 Tage später wurden bei den so genannten Haymarket Riots gar 200 Arbeiter verletzt und eine unbekannte Zahl getötet. Zu ihrem Gedenken wurde der 1. Mai 1889 von der Zweiten Internationalen zum "Kampftag der Arbeiterbewegung" ausgerufen. Im Deutschen Kaiserreich galt zu jener Zeit das Sozialistengesetz und die Sozialdemokratische Partei, der viele Gewerkschafter nahe standen, war als Partei verboten. Trotz von Seite des Staates und der Unternehmer angedrohter Sanktionen beteiligten sich am 1. Mai 1890 in Deutschland etwa 100.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an Streiks, Demonstrationen und so genannten "Maispaziergängen". 1890 erklärte die nun wieder zugelassene SPD den 1. Mai dann offiziell zum dauerhaften "Feiertag der Arbeiter". Dies änderten weder das Auseinanderbrechen der Sozialistischen Internationalen nach dem Ersten Weltkrieg, noch der Missbrauch des Feiertags durch die Nazis oder über 40 lange Jahre der deutschen Teilung.
Auch heute mahnt uns die Geschichte dieses Tages, uns unserer Wurzeln bewusst zu bleiben, gerade in der begonnenen Programmdebatte. Das heißt auch: Wir Sozialdemokraten wollen den Sozialstaat verbessern und angesichts neuer Herausforderungen wirksamer ausgestalten. Dabei ist unsere Maxime: Im Mittelpunkt steht der Mensch! Unser Leitbild ist dabei der vorsorgende Sozialstaat, der Menschen immer wieder neue Chancen eröffnet und Notlagen verhindert, bevor sie entstehen. Wir erteilen also all denen eine deutliche Absage, die unsere soziale Ordnung aufkündigen wollen und meinen, der Markt werde es schon richten. Am 1. Mai genau so, wie an jedem anderen Tag des Jahres.
Ihr Christian Lange