Christian Lange MdB

Parlamentarischer Staatssekretär
beim Bundesminister der Justiz
und für Verbraucherschutz

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Staatssekretär
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Verbraucherschutz

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Kolumne BKZ und Murrhardter Zeitung vom 06.12.2013

Zeit der Besinnung

Es ist eine aufregende Zeit. Und damit meine ich noch nicht einmal den Umstand, dass ganz Deutschland über politische Inhalte diskutiert, wie selten zuvor. Nein, wer in diesen Tagen einmal aufmerksam in Kinderaugen blickt, weiß wovon ich spreche. Gerade am heutigen Nikolaustag ist die Vorfreude auf Weihnachten mit Händen zu greifen. Für mich ist die Adventszeit selbst im politischen Alltagstrott zugleich immer auch eine Zeit der Besinnung. Und dabei geht es mir wie ganz vielen Menschen auch beileibe nicht nur um mich selbst. Vielmehr macht die Vorweihnachtszeit uns noch sensibler für das Schicksal unser Mitmenschen. Seien es die Flutopfer auf den Philippinen, Obdachlose auf unseren Straßen oder Mitmenschen, die nach Schicksalsschlägen seelische Unterstützung brauchen - viele spenden lieber für den guten Zweck als Socken und Krawatten zu verschenken. So verzichte auch seit vielen Jahren auf Weihnachtskarten und lasse das eingesparte Geld einem guten Zweck in meinem Wahlkreis zukommen. Denn natürlich freue ich mich über Weihnachtspost. Doch zugleich weiß ich, dass die Unsummen, die dafür ausgegeben werden, an anderer Stelle fehlen. In diesem Jahr unterstütze ich ein Projekt, das mir ganz besonders am Herzen liegt, die Initiative Stolpersteine Backnang. Die Idee, die dahinter steckt, geht auf den Künstler Günther Demnig zurück, und ist ebenso einfach wie genial: in den Boden eingelassene Steine mit einer Messingplatte sollen vor ihrem letzten frei gewählten Wohnort an die Opfer des Nazi-Terrors erinnern. Damit soll diesen Menschen, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihr Name zurück gegeben werden. Gleichzeitig führen sie dazu, dass man sich beim Versuch die Inschrift zu lesen, symbolisch vor den Opfern verbeugt. Auch Backnang war zwischen 1933 und 1945 keine Insel der Glückseeligkeit im Meer des braunen Terrors. Auch hier wurden Menschen entrechtet, deportiert und schließlich ermordet. Umso wichtiger ist es, dass auch bei uns an diese Menschen erinnert wird. Etwa an Franziska Ade aus der Schillerstraße 6, an Karl Strauss aus der Maubacher Straße 9 oder an Elise Volz aus der Marktstraße 20. Sie wurden wie viele weitere in Backnang und in ganz Deutschland Opfer dessen, was die Nazis im Zeichen ihrer "nationalsozialistischen Rassenhygiene" mit "Euthanasie" umschrieben: die "Vernichtung lebensunwerten Lebens" durch Mord. All das können wir nicht mehr rückgängig machen. Auch tragen wir als Nachgeborene keine direkte Schuld an den Menschheitsverbrechen, die damals von Deutschen begangen wurden. Doch wir tragen die unmittelbare Verantwortung, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert. Deshalb befürworte ich ohne Wenn und Aber den Antrag des Bundesrats, die NPD zu verbieten. Es ist unerträglich, dass eine Partei, deren Ideologie jener der NSDAP bis aufs Haar gleicht, mit Steuergeldern gegen Menschen hetzt. In diesem Fall muss klar sein: keine Freiheit für die Feinde der Freiheit. Doch das allein wird nicht reichen. Wichtig ist unser zivilgesellschaftliches Engagement. Umso mehr danke ich den Initiatoren und Unterstützern der Initiative Stolpersteine Backnang für ihr Engagement, die Erinnerung an diese Menschen wach zu halten. Ebenso danke ich allen, die durch ihren ehrenamtlichen Einsatz unsere Gesellschaft lebenswert machen. Sei es im Sportverein, in der Kirchengemeinde, im Nachbarschaftstreff, bei der Betreuung älterer Menschen, Kranker, Behinderter oder Hausaufgabenhilfe für unsere Kleinen. Sie erscheinen zwar nicht auf der Leinwand oder auf den Titelblättern unserer Zeitungen. Doch Sie sind die heimlichen Helden in unserem Land. Ich wünsche Ihnen allen eine besinnliche Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest.

 

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