Christian Lange MdB

Parlamentarischer Staatssekretär
beim Bundesminister der Justiz
und für Verbraucherschutz

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Kolumne BKZ und Murrhardter Zeitung vom 07.12.2012

Demokratie braucht Vielfalt

Was ist Ihnen Meinungsvielfalt wert? Wenn Sie diese Zeilen gerade am Frühstückstisch oder auf dem Weg zur Arbeit lesen, scheint die Antwort klar. Sie gehören zu den Zeitungsleserinnen und -lesern und sorgen mit ihrem Abo oder dem Kaufpreis am Kiosk dafür, ein Stück Meinungsvielfalt vor Ort zu erhalten. Vielleicht lesen Sie sogar noch eine zweite Tageszeitung, eine Wochenzeitung oder ein Nachrichtenmagazin. Es geht Ihnen also wie mir: Sie können sich ein Leben ohne Zeitungen nicht vorstellen. Umso mehr bedrückt es mich, dass in diesen Tagen viel vom Zeitungssterben die Rede ist. Man muss sich nur einmal die Namen der aktuellen Krisenfälle vor Augen führen und die Diskussionen über die Medienkrise bekommt ein Gesicht. Die Nachrichtenagentur "dapd": insolvent. Auch renommierte Tageszeitungen stehen am Abgrund - oder sind bereits einen Schritt weiter. Die "Nürnberger Abendzeitung": eingestellt. Die "Frankfurter Rundschau": insolvent. Die "Financial Times Deutschland": erscheint heute zum allerletzten Mal und schließt dann für immer die Tore. Immer neue Hiobsbotschaften erschüttern die Landschaft, zusammen genommen ergibt das nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit die größte Entlassungswelle in unsere Presselandschaft seit Bestehen der Bundesrepublik. Denn schon immer seien einmal einzelne Redaktionen insolvent gegangen, heißt es dort. Doch noch nie in dieser Größenordnung. Natürlich diskutiert man in diesen Tagen viel über die Gründe. Und wie immer wissen nun viele ganz genau, warum nun das Gegenteil von dem eingetreten ist, was sie einst prophezeit hatten. Die Verlage verweisen auf sinkende Erlöse auf dem Anzeigenmarkt, eine um sich greifende "Kostenloskultur" im Internet auf Seiten der Konsumenten (früher einmal Leser genannt) und einbrechende Verkaufszahlen. Und natürlich ist das alles nicht falsch. Tatsächlich ist die Zahl der Menschen, die jeden Tag eine Tageszeitung lesen - oder zumindest kaufen-, in den letzten 20 Jahren um ein Drittel gesunken. Wir sprechen allerdings noch immer von 18,4 Millionen Stammlesern. Gleichzeitig wird über Werbung nur halb so viel erlöst wie vor 10 Jahren. Dazu informieren sich weniger junge Menschen aus der Zeitung als früher - bei den 14-19-jährigen  nur noch etwa jeder zweite, noch vor wenigen Jahren waren es einmal drei von vier. Und natürlich hat der Siegeszug des Internets das scheinbar ewige Erfolgsmodell Tageszeitung vor immense Herausforderungen gestellt. Weil eben wirklich vieles umsonst ist. Weil das gedruckte Wort buchstäblich statisch ist und nicht sekündlich aktualisiert werden kann Und weil in der immensen Flut an Information manchem auch der Sinn für den Wert von gutem Journalismus verloren gegangen sein mag. Aber einige der Probleme sind auch hausgemacht: Die Herausforderungen sind lange bekannt, warum gibt es noch immer keine Antworten? Zu oft wurde das Produkt verwässert, anstatt die Kernkompetenz zu stärken. Das soll heißen: anstatt deutlich zu machen, was guter Journalismus liefert, nämlich tiefgründige Analyse und fundierte Einordnung, wurde eine Billigstrategie gefahren. Redaktionen wurden ausgedünnt und damit die eigene Stärke aufgegeben. Nun mögen manche fragen, wo nun das Problem liege. Es lasse sich doch bestimmt etwas anderes finden, worin man Fische einwickeln kann. Doch das Problem ist ganz einfach: eine vitale Demokratie braucht eine Vielfalt der Medien. Unabhängig, mutig, kompetent. Vor Ort verwurzelt, mit findigen Lokalredaktionen. Und mit einem Sinn dafür, dass guter  Journalismus eben nicht nur  bloße Ware ist, sondern ein Beitrag zum Gemeinwohl.

 

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