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Veröffentlichung vom Mai 2001
Perspektiven für die Perspektivlosen
Was wird aus Jugendlichen, denen eine Lehre zu schwierig ist?
Berufsbildungspolitik muss heute gerade jenen sorgen, die alleine keine
Chance hätten. Flexible Einstiege und Bildungsgänge sind der richtige
Weg – man muss ihn nur gehen.
Das Hauptinteresse in der
Berufsausbildungspolitik hat bisher stets darin bestanden,
Ausbildungsplätze für alle ausbildungswilligen und -fähigen
Jugendlichen zu schaffen. Bei diesem Ziel wird es auch in Zukunft
bleiben. Doch neben der Debatte über die quantitativen
Zahlenverhältnisse auf dem Lehrstellenmarkt rückt inzwischen die Frage
stark in den Vordergrund, wie die Berufsausbildung qualitativ
weiterentwickelt werden kann. Warum ist das so? Die
arbeitsorganisatorischen und technologischen Veränderungen der
Arbeitswelt stellen das Ausbildungssystem ständig vor die Aufgabe, neue
Trends aufzugreifen und inhaltliche wie strukturelle Anpassungen
vorzunehmen. In der hoch entwickelten Industrie- und
Dienstleistungsgesellschaft werden gerade den Berufseinsteigern immer
mehr Kenntnisse und Fähigkeiten abverlangt. Deshalb haben es
Jugendliche, die bereits mit Nachteilen ins Berufsleben starten, heute
besonders schwer, eine geeignete Berufsausbildung zu finden und diese
dann mit Erfolg zu Ende zu führen. Pro Jahr verlassen etwa 80.000
leistungs- oder lernschwächere Jugendliche die Hauptschule ohne
Schulabschluss. In den gängigen Lehrberufen finden sie kaum noch einen
Ausbildungsplatz. Wenn doch, sind sie den Anforderungen des
Ausbildungsberufes häufig nicht gewachsen. Das gilt auch für
qualifizierungswillige und -fähige Jugendliche. Diese Jugendlichen sind
regelmäßig die Arbeitslosen von morgen, was die Statistiken der
Arbeitsämter eindeutig belegen. Fast die Hälfte der Erwerbslosen in der
Bundesrepublik besteht aus Menschen, die keine Berufsausbildung
abgeschlossen haben. Kurzum, je niedriger die berufliche Qualifikation,
desto größer wird das individuelle Risiko auf dem Arbeitsmarkt. Wenn
dieses Risiko nicht bekämpft wird – und zwar auch im Hinblick auf die
nächste Generation –, besteht die Gefahr, dass sich ein
„Sozialhilfeadel“ etabliert, eine in sich geschlossene
Nebengesellschaft also, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener
Kraft bestreiten kann, sondern nur noch mittels sozialer
Transferleistungen.
Mit Mathe und Deutsch klappt es nicht gut
Dazu darf es nicht kommen. Das wichtigste Instrument zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit ist und bleibt deshalb zwar die betriebliche Ausbildung im dualen System – immerhin fast 70 Prozent der Schulabgänger entscheiden sich für diesen Weg. Eingangstests der Unternehmen zeigen aber deutlicher denn je, dass die Ausbildungsreife der Jugendlichen abgenommen hat. Immer mehr von ihnen verlassen die allgemeinbildenden Schulen ohne ausreichende Basiskenntnisse in den Fächern Mathematik und Deutsch sowie in den Fremdsprachen. Oft haben diese Jugendlichen allerdings ausbaufähige, praktische Fähigkeiten und Interessen.
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