Christian Lange MdB

Parlamentarischer Staatssekretär
beim Bundesminister der Justiz
und für Verbraucherschutz

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Veröffentlichung vom Januar 2005

Exzellenz verträgt Transparenz

Bei der Höhe ihrer Gehälter und Bezüge üben deutsche Konzernlenker Geheimniskrämerei – im internationalen Vergleich ist das ganz ungewöhnlich. Jetzt fordert ein Gesetzentwurf die Offenlegung von Vorstandsvergütungen / VON NINA HAUER UND CHRISTIAN LANGE

Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Infratest Sozialforschung hat ergeben, dass über drei Viertel aller Deutschen großen Wirtschaftsunternehmen wenig oder gar kein Vertrauen entgegenbringen. Nur rund 23 Prozent aller Befragten hielten die Höhe von Managergehältern für gerechtfertigt. Und das, obwohl gar nicht bekannt ist, wie viel Spitzenmanager wirklich verdienen. Oder vielleicht gerade deswegen? Das DIW jedenfalls nimmt an, dass sich durch eine individuelle Offenlegung von Managergehältern die Einstellung zum Wirtschaftssystem insgesamt verbessern dürfte.

Bilanzskandale im In- und Ausland haben das Vertrauen auch in die Finanzmärkte deutlich geschwächt. Außerdem haben die Diskussionen um die Managervergütungen, die beispielsweise bei der Mannesmann-Übernahme geführt wurden, Defizite im geltenden Recht offenbart und die Öffentlichkeit stark irritiert. Der golden handshake für Klaus Esser war weder den Beschäftigten des Unternehmens noch dessen Aktionären erklärbar. Schließlich geht es bei Vergütungen, variablen wie fixen, oder Abfindungen bei Übernahmen nicht nur um die Höhe des Geldbetrages. Transparenz bei Vorstandsvergütungen soll nicht den Neid der Öffentlichkeit schüren, sondern nachvollziehbar machen, wer im Unternehmen nach welchem Anreiz handelt. Bedeutet eine gelungene Übernahme höheren persönlichen Gewinn? Sind Einkommen einzelner Vorstandsmitglieder an bestimmte Entwicklungen im Unternehmen gekoppelt? Beschäftigte im Unternehmen und Aktionäre haben das Recht, diese Abhängigkeiten nachzuvollziehen. Das dient nicht nur einer Unternehmenskultur, die die Leistungen und Interessen aller Beschäftigten einbezieht, sondern auch einer fortschrittlichen Entwicklung des Finanzplatzes Deutschland.

Die Bundesregierung hat mit der in 2001 eingesetzten „Cromme-Kommission“ einige Verbesserungen erreicht. Sie entwickelte einen „Corporate Governance Kodex“, der klare Verhaltensstandards für Transparenz und Vertrauen in deutschen Unternehmen setzt. Unter anderem empfiehlt der Kodex, die jeweiligen Bezüge eines jeden Vorstandsmitglieds zu veröffentlichen. Wörtlich heißt es: „Die Vergütung der Vorstandsmitglieder soll im Anhang des Konzernabschlusses aufgeteilt nach Fixum, erfolgsbezogenen Komponenten und Komponenten mit langfristiger Anreizwirkung ausgewiesen werden. Die Angaben sollen individualisiert erfolgen.“ Allerdings ist dies nur eine Empfehlung. Nach dem Motto „comply or explain“ können Unternehmen von der Regelung des Kodex abweichen, wenn Sie diese Abweichung gesondert erklären. Diese Möglichkeit der Abweichung wurde geschaffen, um Besonderheiten einzelner Unternehmen Rechnung zu tragen.

Freiwillig? Niemals!

Nach geltendem Recht müssen Aktiengesellschaften nur das Gesamtgehalt des Vorstandes veröffentlichen. Dieses wird pauschalisiert im Anhang des Jahresabschlusses beziehungsweise des Konzernabschlusses veröffentlicht. Weitere Vorschriften zur Transparenz sieht das Handelsgesetzbuch nicht vor.

Eine pauschalisierte Nennung im Jahresabschluss lässt aber nicht erkennen, ob und wie diese Vergütung mit Erfolg und Misserfolg des Unternehmens verknüpft ist. Auch ist unklar, welche Vergütungspolitik das Unternehmen verfolgt und welche Anreize für den Vorstand gesetzt werden.

Nicht einmal ein Drittel der Dax-Unternehmen, die allesamt den Kodex unterschrieben haben, hielt sich im letzten Jahr an die Offenlegungsempfehlung. Nur neun Unternehmen, darunter auch Unternehmen mit Bundesbeteiligung (Deutsche Telekom, Deutsche Post), weisen die Gehälter individualisiert aus. Zwei weitere Dax-Unternehmen veröffentlichen zumindest die Bezüge des Vorstandssprechers im Detail, die Bezüge der anderen Mitglieder werden in einer Gesamtsumme genannt. Diese weitgehende Nichtbeachtung der Offenlegungsempfehlung des Kodex führt zu einem Verlust von Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland insgesamt.

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