Christian Lange MdB

Parlamentarischer Staatssekretär
beim Bundesminister der Justiz
und für Verbraucherschutz

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Veröffentlichung vom Mai 2003

Südtirol zeigt, was möglich ist

Das deutsche Handwerk steckt in einer schweren Krise. Doch von Reformen wollen seine Vertreter trotzdem nichts hören. Dabei ist der "Meisterzwang" ein Hindernis für Dynamik und neue Arbeitsplätze. Wie es besser geht, machen uns andere vor / VON CHRISTIAN LANGE

Das Handwerk steckt in einer tiefen Strukturkrise: Seit 1996 ging die Beschäftigung um 18,8 Prozent zurück, die Selbstständigenquote liegt in Deutschland bei nur 9,3 Prozent, gegenüber einem EU-Durchschnitt von 12,3 Prozent. Die Gründungsquote, der Anteil der Neugründungen an bestehenden Unternehmen, liegt in der Gesamtwirtschaft bei 13,7 Prozent - im Handwerk nur bei 4 Prozent. Dies zeigt: Der Meisterbrief, also die Voraussetzung für den Marktzugang, hat sich in Deutschland zur Jobbremse entwickelt.

Untrügliches Indiz dafür ist auch der Rückgang der Ausbildungsverträge. Heute trägt das Handwerk nur noch 30 Prozent der "Ausbildungslast"; 1995 waren es noch 37 Prozent der Azubis, die im Handwerk lernten. Das Bundesverfassungsgericht hat aber den Meisterzwang mit der Sicherung des Nachwuchses in der gesamten gewerblichen Wirtschaft gerechtfertigt. Diese Bedeutung nimmt - leider - immer mehr ab. Auch deshalb brauchen wir eine neue Dynamik, die wir nur mit einem Paradigmenwechsel schaffen: den Meisterzwang als Voraussetzung für die Niederlassung nur noch im Fall von "gefahrgeneigten" Handwerken, also nur noch für rund ein Drittel der gegenwärtig 94 Gewerke. Das Qualitätssiegel Meister bleibt aber. So schöpfen wir schneller und unbürokratischer das Beschäftigungs- und Existenzgründungspotential aus.

Die Befürchtungen, die Handwerks-Novelle könne negative Auswirkungen haben, sind unbegründet. Mehr Wettbewerb findet statt und "europafest" wird der Meister ganz nebenbei, denn außer Luxemburg hat kein EU-Staat mehr die deutsche Berufszugangsschranke. Warum auch? Haben wir etwa in der letzten Zeit erlebt, dass Holzfußböden nur vom Parkettleger verlegt oder Fenster nur vom Fensterbauer gemacht werden? Warum soll der Kunde nicht so souverän sein, das gewünschte Qualitätsniveau selbst zu bestimmen. Gesellen-Service und Do-it-your-self-Niveau gibt es heute häufig nur in Form von Schwarzarbeit - und die floriert seit vielen Jahren.

Nicht Zwang sondern Wettbewerb

Die Aussicht auf Reformen macht das Handwerk zunehmend unruhig. Zuerst versteckt, mittlerweile offen, drohen seine Vertreter, man werde sich aus der Aus- und Weiterbildung von jungen Nachwuchskräften zurückziehen, wenn mit dem Meisterbrief in Deutschland nicht alles beim Alten bleibe. Der Meisterbrief sei der alleinige Garant für hohe Produktqualität und hohes Ausbildungsniveau, letztlich für Wachstum und Wohlstand in Deutschland. In Wirklichkeit ist gerade in jenen Wirtschaftsbereichen eine hohe Dynamik zu verzeichnen, in denen es den Meisterbrief als Marktzugangsregelung nicht gibt.

(...)

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